
Sitten und Gepflogenheiten: So verhalten Sie sich richtig
Robert Picket · 5 Min. Lesezeit · 13. Oktober 2026
Ein Handschlag hier, eine Verbeugung dort und manchmal reicht schon ein Lächeln. Wie Sie sich an Bord und an Land richtig verhalten, ohne ins Fettnäpfchen zu treten.
„Frau Staab, ist eine Kreuzfahrt nicht nur was für alte Leute?“ Diese Frage hört Angelika Staab, Beraterin bei CARILONS, immer wieder. Ihre Antwort kommt prompt: „Kommt ganz auf das Schiff an!“ Wenn sie dann von Kletterwänden, Street-Food-Märkten und Broadway-Shows erzählt, merken ihre Kunden schnell, dass das eingestaubte Image vom „Traumschiff“ längst Vergangenheit ist.
Doch egal ob an Bord eines modernen Schiffs oder im Hotel an Land: Sobald Sie unter Menschen sind, gelten Regeln, die in keinem Reiseführer stehen und die trotzdem jeder kennt, der schon einmal unangenehm aufgefallen ist. Wie grüßt man richtig? Was zieht man an? Und wann hält man besser den Mund? Genau darum geht es in diesem Artikel.
Begrüßung: Mehr als nur Handschlag
In Österreich reicht ein freundliches „Grüß Gott“ und ein fester Handschlag völlig aus. Die Menschen dort sind direkt, aber herzlich, Small Talk über das Wetter oder die Berge kommt immer gut an. Wer in der Steiermark unterwegs ist, etwa auf unserer Wander- und Genussreise durch die Steiermark, merkt schnell: Hier wird nicht lange gefackelt, aber man meint es ernst.
Ganz anders in Myanmar. Dort begrüßt man sich meist mit einer leichten Verbeugung und zusammengelegten Handflächen, ähnlich wie beim Gebet. Ein fester Händedruck wirkt hier schnell zu forsch, besonders gegenüber älteren Menschen oder Mönchen. Wer auf unserer Rundreise zu den Höhepunkten Myanmars unterwegs ist, sollte außerdem wissen: Den Kopf eines anderen Menschen zu berühren, selbst aus Freundlichkeit, gilt als unhöflich. Der Kopf gilt dort als der heiligste Teil des Körpers.
In Italien dagegen ist die Begrüßung oft herzlicher und körperlicher: zwei Küsschen auf die Wangen sind unter Bekannten üblich, bei Erstbegegnungen reicht aber meist ein Händedruck mit Blickkontakt. Wer sich unsicher ist, wartet am besten ab, wie das Gegenüber reagiert. Aber wie sieht es eigentlich mit der passenden Kleidung aus, wenn die Begrüßung schon geklappt hat?
Kleidung: Was an welchem Ort angemessen ist
An Bord eines Kreuzfahrtschiffs gibt es oft noch den klassischen „Elegant Night“, an dem ein Hemd oder ein schlichtes Kleid erwartet wird, auch wenn moderne Schiffe das inzwischen deutlich lockerer handhaben. Fragen Sie im Zweifel vorab bei Ihrem Berater nach, was für Ihr konkretes Schiff gilt.
An religiösen Orten ist die Kleidung deutlich strenger geregelt. In Myanmar müssen Schultern und Knie an Pagoden und Tempeln bedeckt sein, Schuhe und Socken werden grundsätzlich ausgezogen, bevor man das Gelände betritt. Das gilt auch für die berühmte Shwedagon-Pagode, eines der Highlights der Rundreise durch Myanmar. Wer das nicht weiß, steht schnell barfuß und etwas ratlos vor dem Eingang.
Auch bei Wellnessaufenthalten lohnt sich ein Blick auf die örtlichen Gepflogenheiten. In deutschen Saunalandschaften, etwa bei einem Aufenthalt im Rahmen unserer Vitalreise ins Allgäu, gilt meist die textilfreie Variante als Standard, während das in anderen Ländern völlig anders gehandhabt wird. Ein Blick auf die Hausordnung vor Ort erspart peinliche Momente.
Gastfreundschaft: Zwischen Herzlichkeit und Höflichkeit
Gastfreundschaft zeigt sich oft in kleinen Gesten, die man als Reisender leicht übersieht. In Myanmar wird Besuchern fast automatisch Tee angeboten, ihn abzulehnen gilt als unhöflich, selbst ein kurzes Nippen reicht meist schon aus, um Wertschätzung zu zeigen. In Österreich wiederum lädt man sich gegenseitig gerne auf ein Glas Wein oder einen Kaffee ein, eine Einladung auszuschlagen wird selten als Beleidigung verstanden, sollte aber freundlich begründet werden.
Diese kleinen Unterschiede machen oft den entscheidenden Unterschied zwischen einem Urlaub und einer echten Begegnung. „Man fühlt sich nicht wie eine Nummer. Das klingt simpel und ist es nicht“, sagt Irene K. aus Pforzheim über ihre Erfahrungen auf einer CARILONS-Reise. Genau diese persönliche Note entsteht oft dort, wo Reisende sich auf die Umgangsformen vor Ort einlassen, statt sie nur abzuhaken.
Verhalten an religiösen Orten
Pagoden, Kirchen und Klöster verlangen besondere Rücksicht. In Myanmar betritt man heilige Stätten grundsätzlich barfuß, auch bei großer Hitze auf dem Steinboden. Laute Gespräche, Zeigen mit dem Finger auf Buddha-Statuen oder das Berühren von Mönchen, besonders durch Frauen, sollten unbedingt vermieden werden. Auch Fotografieren ist nicht überall erlaubt, ein kurzer Blick auf Hinweisschilder oder eine Nachfrage beim Reiseleiter klärt das meist schnell.
Für Österreich liegt aktuell keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts vor, ein positives Signal für die Reisesicherheit vor Ort (Quelle: Auswärtiges Amt, Stand 2026-10-13).
Auch dort, wo es keine strengen religiösen Vorschriften gibt, lohnt sich Zurückhaltung: In Kirchen, etwa bei einem Spaziergang durch die Dörfer rund um die Erholungsreise auf Ischia, ist leise und zurückhaltende Kleidung während eines Gottesdienstes schlicht eine Frage des Respekts, unabhängig von der eigenen Konfession.
Typische Missverständnisse und wie man sie vermeidet
Drei Stolperfallen begegnen Reisenden besonders häufig:
Erstens die Lautstärke. Was in einem Land als normale Gesprächslautstärke gilt, wirkt anderswo schnell respektlos. In Myanmar und vielen anderen asiatischen Ländern spricht man generell leiser und zurückhaltender als etwa in Südeuropa.
Zweitens das Thema Zeit. Während in Deutschland Pünktlichkeit fast heilig ist, etwa bei einem Seminartermin im Rahmen der Seminarreise ans Wattenmeer, wird anderswo entspannter mit Uhrzeiten umgegangen. Wer das nicht weiß, ärgert sich schnell unnötig.
Drittens das Trinkgeld. Die Erwartungen schwanken von Land zu Land erheblich, von „gar nicht üblich“ bis „fest eingeplanter Bestandteil des Einkommens“. Ein kurzer Blick in die Reiseunterlagen oder eine Nachfrage beim Reiseleiter vor Ort beugt Unsicherheiten zuverlässig vor.
Zurück an Bord
Angelika Staab erzählt ihren Kunden gerne, dass sich die Zeiten geändert haben, nicht nur bei den Schiffen, sondern auch bei den Menschen, die heute reisen. Wer offen auf fremde Sitten zugeht, statt sie zu fürchten, erlebt genau jene Momente, die eine Reise unvergesslich machen: ein gemeinsamer Tee in Myanmar, ein herzliches „Grüß Gott“ in der Steiermark oder einfach das gute Gefühl, als Gast willkommen zu sein und nicht als Nummer behandelt zu werden.
Wer sich inspirieren lassen möchte, findet in unserem Reisemagazin viele weitere Ziele, auch quer durch Europa, zum Beispiel unter Alle Europa-Reisen. Und falls doch noch die Frage aufkommt, ob eine Kreuzfahrt wirklich nur etwas für „alte Leute“ ist: Fragen Sie einfach Angelika Staab. Die Antwort kennen Sie jetzt schon.


